Heizkosten steigen – Hildesheimer Haushalte könnten mit einigen Maßnahmen trotzdem bis zu 400 Euro pro Saison sparen

Wintersaison

Hildesheim – Ab 1. Oktober gilt für alle Heizkostenabrechnungen in Mietshäusern, was für viele schon länger aktuell ist: Sie müssen ohne Ausnahme individuell für jeden Mieter erstellt werden. Kosten sparen lohnt sich also mehr denn je.

Hildesheim – Pünktlich zu Beginn der Heizsaison tritt eine Änderung in Kraft, die für viele Mieter von Bedeutung sein dürfte: Jahrzehntelang war es erlaubt, die Kosten zentraler Wärmepumpen pauschal auf alle Mieter umzulegen. Diese Regelung ist bereits seit 2021 Schritt für Schritt zurückgebaut worden, nun fällt sie nach einer einjährigen Übergangsfrist zum 30. September endgültig weg. Ab Oktober muss jede Kilowattstunde individuell erfasst und abgerechnet werden. Ziel der Regelung ist eine gerechtere und transparentere Nebenkostenabrechnung für zahlreiche Haushalte. Es gilt: Wer weniger heizt, zahlt auch weniger.

Tatsächlich sind die Nebenkosten für Mieter ein Riesenthema, wie Volker Spieth bestätigt, Geschäftsführer des Hildesheimer Mietervereins. „Fragen dazu machen ungefähr die Hälfte der Anfragen insgesamt aus, die uns erreichen.“ Denn: Eine Aufschlüsselung des tatsächlichen Verbrauchs sei zwar gut, aber nur dann, wenn sie am Ende korrekt und fehlerfrei vorliege. „Wir wissen, dass das für die Vermieter oft eine ziemlich komplexe Sache ist, bei der es viel zu beachten gibt.“ Kommt einem die Abrechnung also komisch und zu hoch vor, wollte einen der Vermieter damit gar nicht unbedingt übers Ohr hauen.

Besonders wichtig, auf Auffälligkeiten zu achten

Und das gilt nicht nur für das Heizen mit Wärmepumpen, sondern für jede Heizkostenabrechnung. „Daher ist es für Mieter besonders wichtig, auf Auffälligkeiten zu achten. Wenn also zum Beispiel der notierte Verbrauch und damit die Kosten sprunghaft ansteigen, obwohl man sein Verhalten gar nicht groß geändert hat, spätestens dann sollte man beim Vermieter nachfragen.“ Der Anspruch auf Belegeinsicht ist im BGB unter Paragraf 259 verankert. Allerdings, darauf weist Spieth hin, ist diese Einsicht eine Holschuld – von sich aus muss der Vermieter seine Abrechnung nicht derart belegen.

Um Heizkosten zu sparen, kann jeder Mieter ein paar Dinge für sich checken, auf die auch Verbraucherzentralen aufmerksam machen:

Thermostat richtig einstellen

Ist die Raumtemperatur höher als erforderlich, verbraucht das unnötig Energie. Und jedes Grad weniger senkt den Verbrauch um etwa 6 Prozent. Stufe 1 auf dem Thermostat entspricht einer Temperatur von etwa 12 Grad. Der Abstand zwischen einer Stufe zur nächsten beträgt dabei etwa 4 Grad, die kleinen Striche dazwischen markieren jeweils ein Grad. Stufe 5 entspricht also bereits etwa 28 Grad. Aber Achtung: Bei Temperaturen unter 16 Grad droht Schimmelbildung.

Heizung entlüften

Gluckert’s in der Heizung, ist eventuell Luft im System – und die verbraucht zusätzlich Energie. Mit einem Entlüfterschlüssel lässt sich selbst die Luft aus dem heißen Heizkörper rauslassen. Bevor man das Entlüftungsventil öffnen, am besten einen kleinen Behälter drunterstellen, um austretendes Wasser aufzufangen. Das Thermostatventil vollständig aufdrehen, den Heizkörper warm werden lassen, dann das Entlüftungsventil öffnen, bis die Luft entwichen ist und nur noch heißes Wasser herauskommt. Danach das Ventil wieder verschließen und das Thermostat herunterdrehen.

Gezielt heizen

Ist niemand zu Hause, braucht es dort auch nicht warm zu sein. Das Absenken der Temperatur bei Abwesenheit spart Energie. Und: Heizkörper nicht hinter Vorhängen oder Möbeln verstecken, sonst staut sich die Wärme dahinter und wird nicht richtig an den Raum abgegeben. Ein Sofa zum Beispiel sollte mindestens 30 Zentimeter Abstand zur Heizung haben. Vorhänge an Fenstern mit Heizkörpern darunter sollten nicht bodenlang sein, sondern oberhalb der Wärmespender enden. Auf Heizkörperverkleidungen möglichst verzichten. Auch wichtig: die Heizkörper sauber halten – auch Flusen und Staub können die Wärmeabgabe mindern.

Nischen und Rohre dämmen

Besonders in Gebäuden aus den 1960er und 70er Jahren sind Heizkörpernischen in Außenwänden häufig anzutreffen – und nicht gedämmt. Durch die geringere Wandstärke und die hohe Temperatur des Heizkörpers auf der Wandinnenseite ist der Wärmeverlust besonders hoch. Im Jahr gehen so pro Quadratmeter Heizkörpernische bis zu 15 Euro Heizwärme verloren. Verbraucherzentralen empfehlen Hochleistungsdämmstoffe wie Polyurethanplatten oder Aerogelmatten. Es ist wichtig, dass die Dämmung an allen Seiten luftdicht mit der Wand verbunden wird, ansonsten besteht ein erhöhtes Schimmelrisiko. Eine Aluminium-Kaschierung reflektiert die Wärmestrahlung zudem zur Raumseite hin. Die Kosten betragen je nach Material 50 bis 80 Euro pro Quadratmeter. Gleiches gilt für Heizungsrohre: Sie zu dämmen, ist Pflicht, spart aber auch pro Meter Rohr auch bis zu 20 Euro im Jahr.

Neun von zehn Haushalten könnten ihre Kosten im Schnitt um etwa 400 Euro pro Jahr senken, erklärt der Energieberater co2online. In vielen Haushalten bleibe einfaches Sparpotenzial ungenutzt. „Allein durch die richtige Einstellung der Raumtemperatur und der Heizkurve, das korrekte Stoßlüften bei heruntergedrehter Heizung und einen reduzierten Warmwasserverbrauch ließen sich kurzfristig bis zu zehn Prozent Energie sparen“, heißt es.

(c) 2025 Internetseite Hildesheimer Allgemeine Zeitung 29. September 2025 – 11:25 Uhr
aktualisiert 29. September 2025 – 15:27 Uhr
Kathi Flau