Mieter müssen doch nicht ausziehen

Stadteigene Baugesellschaft gbg bestätigt Interesse an Domänen-Häusern – und würde dafür sorgen, dass die Mieter bleiben dürfen

Hildesheim (cha). Die betagten Mieter auf dem Gelände der Domäne Marienburg müssen ihre Wohnungen nicht nach einem Verkauf der Grundstücke verlassen. Das hat Oberbürgermeister Kurt Machens einem der Mieter, Horst Zettelmann, zunächst mündlich und anschließend auch noch schriftlich zugesichert. „Die Stadt wird eine Lösung beim Verkauf der Häuser herstellen, die die Belange der Mieter vollständig berücksichtigt“, zitiert die Pressestelle der Stadt den Oberbürgermeister in einer Mitteilung an diese Zeitung.

Zettelmann und mehrere andere Mieter der insgesamt elf Wohnungen können nun aufatmen. Sie hatten vor einigen Wochen eine gegenteilige Aussage aus dem Rathaus bekommen: Wenn die Stadt die insgesamt sechs Häuser und Grundstücke verkauft habe, müssten sie ausziehen. Oder diese selbst erwerben. Der 77-jährige Zettelmann und sein 76-jähriger Nachbar Karl Heinz Stehneke, beide Vertriebene aus dem Osten, hatten sich daraufhin verunsichert an den Mieterverein gewandt (diese Zeitung berichtete).

„Es ist Aufgabe und Anliegen der Stadt, bei Eigentumswechseln auch auf soziale Ausgewogenheit zu achten. Daher wird niemand einen 77-jährigen Mieter gegen dessen Willen zum Auszug bewegen“, erklärt Machens nach der heftigen Kritik von Mieterverein-Geschäftsführer Volker Spieth. Spieth hatte im Gespräch mit Zettelmann und Stehneke die städtische Wohnungsbaugesellschaft gbg als neuen „Lieblings-Eigentümer“ bezeichnet. Auf keinen Fall sollte eine mit Immobilien spekulierende „Heuschrecke“ die Häuser in der Domänenstraße und der Beusterstraße bekommen. Der seien die derzeitigen Bewohner gleichgültig.

Die gbg habe ein Interesse daran, die Objekte zu übernehmen, bestätigt deren Vorstand Jens Mahnken. Er hat vom Aufsichtsrat des städtischen Unternehmens grünes Licht erhalten, um mit der Stadt Verhandlungen aufzunehmen. Vorsitzender des Aufsichtsrats ist Oberbürgermeister Kurt Machens. Mahnken war bereits vor Ort und hat sich mit dem Chef der gbg-Immobilienverwaltung, Wilfried Busse, ein Bild von den Domänen-Häusern gemacht. „Wir würden dafür sorgen, dass die Mieter, die das wollen, dort bleiben dürfen“, sagt Mahnken. Als gemeinnützige Baugesellschaft erfülle man schließlich auch eine soziale Aufgabe.

Die Stadt, die seit 2005 Eigentümerin der Grundstücke ist, will die sechs Häuser als Gesamtpaket für mindestens eine halbe Million Euro verkaufen. Ob die gbg dabei zum Zuge kommt, ist nicht klar. „Es gibt mehrere Interessenten. Die Stadt erarbeitet derzeit ein transparentes Verfahren, bei dem die Interessen der Mieter berücksichtigt werden“, sagt OB Machens.

Wie es aussieht, gibt es für Zettelmann und seine Nachbarn also ein gutes Ende. Um ihre Zukunft hatten sich nach dem Bericht in dieser Zeitung viele Menschen gesorgt. Unter anderem rief ein Vermieter an, um dem 77-Jährigen und seiner Frau eine 60-Quadratmeter-Mietwohnung mit Gartenbenutzung in Nettlingen anzubieten. Das findet der Mann zwar nett. Doch er hofft jetzt darauf, weiter in dem Haus leben zu können, das er schon seit 1966 mit seiner Frau Hannelore bewohnt.

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(c) 2013 Hildesheimer Allgemeine Zeitung vom 04.09.2013